danke für Deine Klarstellung- wieder was gelernt.
Gibt es eine Begründung, warum es bei Signalen im Bahnhofsbereich keine Signalsperre gibt?
Gruß Ulli
Hallo Ulli,
die einfache Antwort auf deine Frage ist: es gibt auch bei Signalen im Bahnhofsbereich eine Signalsperre, sie heisst einfach "Automatischer Signalbetrieb aus". Die komplizierte Antwort ist, dass es vielleicht grundsätzliche Unterschiede zwischen Stellwerken der DB und SBB gibt, und ich daher ich ein bisschen ausholen muss:
Bei Relais-Stellwerken der SBB - das gilt also nicht für eStW - unterscheidet man bei Signalen, ob sie in eine Fahrstrasse eingebunden sind oder nicht.
Fahrstrassen existieren prinzipiell nur innerhalb von Bahnhofbereichen (also im Bereich zwischen allen Einfahrsignalen). Eine Fahrstrasse auf die Strecke endet am "gegnerischen" Einfahrsignal, also dort wo der Bereich "Strecke" anfängt. Das sieht man schön am angefügten Bild: sobald die Strecke anfängt, gibt es keine Fahrstrassen-Ausleuchtung mehr. Die Strecke wird also vollständig und nur über den Streckenblock gesichert (ev. ist das bei der DB anders).
Alle Signale innerhalb des Bahnhofbereichs sind mit einem "automatischen Signalbetrieb" ausgerüstet (ASB), d.h. wenn der ASB eingeschaltet ist wird die Fahrstrasse ab diesem Signal gestellt, sobald der "Anstosspunkt" vom Zug befahren wird. Die Fahrstrasse wird entweder an ein fixes Ziel, oder - falls vorhanden - über die Zuglenk-Daten oder über Lenkziffern (gibt es heute glaub's gar nirgends mehr) an das entsprechende Ziel gestellt. Wenn man als Fdl nicht will, dass die Fahrstrasse automatisch gestellt wird, muss man an diesen Signalen den ASB ausschalten. Zur Vollständigkeit: es gibt auch Signale die über keinen ASB verfügen, dann muss der Fdl die Fahrstrasse immer manuell einstellen (ausser es gibt einen "Automatischen Durchgangsbetrieb" ).
Bei Signalen, die nicht in eine Fahrstrasse eingebunden sind - und das können nur Blocksignale oder Deckungssignale (z.B. für Barrieren) sein - steht (oft, aber nicht immer) eine "Signalsperre" zur Verfügung. Diese verhindert ebenfalls, dass das entsprechende Signal auf Fahrt gestellt wird, wird aber im Normalbetrieb nie gebraucht, weil wenn der Zug schon auf dem Weg Richtung Strecke ist (und dann zwingend bis zum nächsten Bahnhof fahren muss), es ja ausser im Notfall keinen Grund gibt, den Zug vor dem Blocksignal "künstlich" anzuhalten.
Im Prinzip ist das Einschalten der Signalsperre also das Gleiche wie das Ausschalten des ASB: das Signal wird nicht auf Fahrt gestellt.
Unterschiedlich wird es bei der Behandlung einer Störung: wenn z.B. der Streckenblock unmittelbar nach dem Bahnhof gestört ist, muss das entsprechende Ausfahrsignal mit der "Blockumgehung" auf Fahrt gestellt werden. Ist aber der Streckenblock nach einem Blocksignal gestört, muss dort die Signalsperre eingeschaltet, und dass Blocksignal dann mit der "Signal-Notfahrtstellung" auf Fahrt gestellt werden.
"Interessant" ist übrigens, dass in ILTIS bei einem Domino-Stellwerk die Ausleuchtung auf der Strecke so aussieht, wie wenn es eine Fahrstrasse hätte. Die "grüne" Ausleuchtung auf der Strecke wird aber eigentlich vom roten Blockpfeil übernommen, d.h. sobald eine Fahrstrasse an die Strecke eingestellt ist und somit "vorgeblockt" wird (Blockpfeil weiss-rot), wird auch die grüne Fahrstrassenausleuchtung angezeigt. Auf dem ILTIS-Screenshot sieht man den gleichen Bahnhof wie auf dem Bild vom Domino, und eine ähnliche Situation, mit den "Fahrstrassen" auf der Strecke.
nochmals danke. Ich hoffe, dass ich Dir nicht zu viel Freizeit weggenommen habe.
Es ist schon spannend was da alles im Detail abläuft und wie das ieinander greift.
Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, sind SpDr und Domino nicht so weit auseinander.
Ein deutlicher Unterschied gibt es aber bei der Anforderung eine Strecke, wenn das noch
per Hand gemacht werden muss - und das ist auch ein Mangel, der sich aus der Historie
von Modellstellwerk zieht - leider. Für den Schweizer Modellbahner ist das aber Hindernis,
er hat immer einen Zentralblock und mehr braucht es nicht.